Fachvortrag zu den Ergebnissen der Situationsanalyse der „Partnerschaften für Demokratie“ (PfD) im Salzlandkreis
Bündnis für Demokratie
Ein Fachvortrag zu den Ergebnissen der Situationsanalyse der „Partnerschaften für Demokratie“ (PfD) im Salzlandkreis hat am Dienstag, 21. April 2026, in Schönebeck stattgefunden. Paula Stolle vom Institut für demokratische Kultur präsentierte die zentralen Befunde der Studien und ordnete diese ein. Die Untersuchung wurde 2025 vom wissenschaftlichen Team der Hochschule Magdeburg-Stendal unter der Leitung von Prof. Dr. R. Hajji erarbeitet. Die Analyse diente als Grundlage für die Weiterentwicklung der Partnerschaften für Demokratie im Salzlandkreis und war zugleich Teil eines Projektantrags für insgesamt elf PfD-Standorte. Ziel war es, die Ist-Situation systematisch zu erfassen, Problemlagen zu identifizieren und daraus belastbare Handlungsperspektiven abzuleiten. Methodisch kombinierte das Forschungsteam Sekundärdatenanalysen mit qualitativen Workshops.
Ein zentraler Bestandteil war die Einordnung des Salzlandkreises in übergeordnete Strukturen. Deutschland ist in 96 Raumordnungsregionen gegliedert, der Salzlandkreis gehört dabei zur Region Magdeburg und macht rund 21 Prozent dieser Region aus. Die Daten zeigen deutliche Unterschiede zum Bundesdurchschnitt: Im Salzlandkreis sind Bildungsniveau, Einkommen und institutionelles Vertrauen geringer ausgeprägt. Gleichzeitig ist die Bevölkerung im Schnitt älter, äußert mehr Sorgen und zeigt eine höhere Anfälligkeit für Verschwörungserzählungen.
Auch die Statistik zur politisch motivierten Kriminalität verdeutlicht die Lage: In Sachsen-Anhalt wurden 2024 insgesamt 4008 entsprechende Straftaten registriert. Für den Raum Magdeburg, zu dem auch der Salzlandkreis zählt, wurden 1524 Fälle erfasst. Im Salzlandkreis selbst entspricht dies einer Häufigkeit von 178 Fällen pro 100.000 Einwohner.
Die Delikte verteilen sich überwiegend auf rechtsextrem motivierte Taten (150 Fälle), während linke, religiöse oder ausländische Motive eine deutlich geringere Rolle spielen. Inhaltlich dominieren Propagandadelikte, daneben treten Sachbeschädigungen, Beleidigungen, Volksverhetzung sowie Körperverletzungen auf.
Ergänzt wurde die Analyse durch einen Workshop am 18. September 2025 mit 14 Teilnehmenden. Dabei wurden zehn Oberthemen identifiziert, die demokratiefeindliche, vielfaltsablehnende und extremistische Problemlagen bündeln.
Zu den zentralen Herausforderungen im Salzlandkreis zählen: Verbreitung rechter Symbolik, unreflektierte und pauschalisierende Sprache, fehlende Toleranz sowie soziale Ausgrenzung und Hass und Hetze im digitalen Raum.
Die vergleichende Auswertung zeigt deutliche Überschneidungen mit anderen Regionen. Wiederkehrende Themen sind Rechtsextremismus, Herausforderungen für die Demokratie, Antisemitismus sowie die zunehmende Bedeutung von Verschwörungstheorien.
Hinzu kommen strukturelle Probleme wie geringe Wahlbeteiligung und ein niedriges Vertrauen in staatliche Institutionen.
Ein besonderer Fokus lag auf Phänomenen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Diese äußern sich laut Analyse auf unterschiedlichen Ebenen: symbolisch (z. B. durch Codes und Zeichen), verbal (etwa in Form abwertender Sprache), in sozialen Zusammenkünften sowie in Diskriminierung und gewaltförmigen Handlungen. Dahinter stehen häufig sogenannte Ungleichwertigkeitsideologien.
Die Untersuchung zeichnet insgesamt ein differenziertes, aber herausforderndes Bild: Der Salzlandkreis ist geprägt von strukturellen Benachteiligungen und gesellschaftlichen Spannungen. Demokratische Einstellungen sind vorhanden, stehen jedoch unter Druck durch Misstrauen, Desinformation und extremistische Einflüsse. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse auch Ansatzpunkte für gezielte Interventionen und lokale Entwicklungsstrategien.
Aus den Befunden leiten die Forschenden umfassende Handlungsempfehlungen ab. Demokratieförderung müsse demnach auf mehreren Ebenen gleichzeitig ansetzen – auf Bundes-, Landes-, kommunaler Ebene sowie innerhalb der PfD-Strukturen selbst.
Zentrale Empfehlungen sind: eine langfristige und verlässliche Finanzierung der Partnerschaften für Demokratie, eine stärkere regionale Ausrichtung von Fördermaßnahmen, der Ausbau von Bildungsangeboten und Begegnungsräumen, eine verbesserte Datenlage für gezielte Maßnahmenplanung und eine stärkere Regulierung und Moderation digitaler Räume.
Darüber hinaus betont die Studie die Bedeutung einer stabilen sozialen Infrastruktur, insbesondere in den Bereichen Arbeit, Gesundheit und Jugendarbeit. Dialogformate und eine konstruktive Streitkultur sollen gezielt gefördert werden.
Auch der Umgang mit Anfeindungen spielt eine Rolle: Fortbildungen und Resilienzstrategien werden als notwendig erachtet. Gleichzeitig gelte es, Repräsentationslücken zu erkennen, kontinuierliche Präsenz vor Ort zu zeigen und alltagsnahe Themen stärker aufzugreifen.
Weitere Empfehlungen betreffen mehr Transparenz und Beteiligung, insbesondere durch digitale Formate und stärkere Jugendbeteiligung. Zudem wird eine engere wissenschaftliche Zusammenarbeit, die Vernetzung der PfD sowie die Einbindung von Betroffenenperspektiven und lokalen Netzwerken angeregt.
Die Veranstaltung endete mit einer offenen Fragerunde und Diskussion mit den Teilnehmenden.




