Auszubildende treiben Digitalisierung voran
Erfolgreicher Abschluss der Digiscouts-Projektphase im Salzlandkreis
Nach sechs Monaten intensiver Projektarbeit ziehen die Beteiligten des Digiscouts-Projekts in der Region Schönebeck und Staßfurt eine positive Bilanz. Seit der Auftaktveranstaltung vor sechs Monaten in Staßfurt haben Auszubildende aus sieben Unternehmen eigenständig Digitalisierungsprojekte in ihren Betrieben entwickelt und umgesetzt. Luisa Erika Bill, Referentin für Fachkräftesicherung, RKW Kompetenzzentrum, sagte: „Fachkräftesicherung bedeutet mehr als Recruiting. Es geht darum, die Menschen, die bereits im Unternehmen sind, zu fördern und einzubinden. Wer Auszubildenden echte Verantwortung überträgt, investiert in die Fachkräfte von morgen. Das Projekt Digiscouts zeigt, dass das funktioniert.“
Im Rahmen des Projekts analysierten die Auszubildenden eigenständig betriebliche Abläufe und identifizierten Potenziale für Digitalisierung. Anschließend entwickelten sie konkrete Projekte, die sie eigenverantwortlich umsetzten. Unterstützt wurden sie dabei von erfahrenen Coaches, die den Teams beratend zur Seite standen. „Das Digiscouts-Projekt zeigt eindrucksvoll, wie viel Innovationskraft in unseren Auszubildenden steckt. Sie bringen frische Perspektiven in die Unternehmen ein und leisten einen wichtigen Beitrag zur digitalen Weiterentwicklung unserer regionalen Wirtschaft“, betonte der stellvertretende Oberbürgermeister der Stadt Schönebeck (Elbe), Uwe Scholz.
Digitalisierung spielt für Unternehmen eine zentrale Rolle, um Prozesse effizienter zu gestalten, Abläufe zu vereinfachen und die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Genau hier setzt das Projekt an: Es ermöglicht Unternehmen, niedrigschwellig in Digitalisierungsthemen einzusteigen und gleichzeitig die Kompetenzen ihrer Nachwuchskräfte gezielt zu fördern. Staßfurts Bürgermeister René Zok: „Ich danke den teilnehmenden Unternehmen für ihre Offenheit und das Vertrauen, das sie den Jugendlichen entgegengebracht haben. Ich hoffe, dass die eigenverantwortliche Projektarbeit und alltagstaugliche Lösungen umgesetzt werden können und zu einem vollen Erfolg werden.“
Neben der konkreten Projektarbeit profitieren die Auszubildenden insbesondere durch den Erwerb digitaler Kompetenzen, die Stärkung ihrer Eigenverantwortung sowie durch neue Formen der Zusammenarbeit – auch über Abteilungsgrenzen hinweg. Gleichzeitig steigert das Projekt die Attraktivität der Ausbildung in den teilnehmenden Betrieben. Beteiligt waren die Unternehmen Ambulanz Mobile, Bischoff Federnwerk und Nutzfahrzeugteile GmbH, Elektro- und Sicherheitstechnik Fritsche & Perleberg GmbH, HS-C. Hempelmann Schönebeck KG, Industrietoranlagen A. Klauert GmbH, SWB Städtische Wohnungsbau GmbH sowie die Volksbank Börde-Bernburg eG.
Das Digiscouts-Projekt wird seit 2018 bundesweit durchgeführt, vom RKW-Kompetenzzentrum umgesetzt und durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Für die teilnehmenden Unternehmen ist die Projektteilnahme kostenfrei; lediglich projektbezogene Investitionen werden von den Betrieben selbst getragen. In der Region wird das Projekt durch die Städte Schönebeck und Staßfurt unterstützt.
Die aktuellen Ergebnisse zeigen: Das Projekt hat nicht nur konkrete Digitalisierungsimpulse gesetzt, sondern auch den Grundstein für weitere Vorhaben in den Unternehmen gelegt. Die Beteiligten hoffen daher, dass die angestoßenen Prozesse langfristig fortgeführt und weiterentwickelt werden.
Übersicht der Digitalisierungsprojekte im Salzlandkreis
Digitalisierung der Einarbeitung in der Produktion
Bei Ambulanz Mobile wurden neue Mitarbeitende bislang ausschließlich durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen eingearbeitet. Einen schriftlichen oder digitalen Leitfaden, auf den man im Arbeitsalltag hätte zurückgreifen können, gab es nicht. Die Azubis entwickelten als Pilotprojekt für die Produktion eines vollelektrischen Krankentransportwagens einen visuellen Einarbeitungsleitfaden, der Einbauprozesse gängiger Bauteile per Foto und Video dokumentiert. Abrufbar ist dieser genau dort, wo die Arbeit stattfindet: direkt am Computer in der Produktionslinie oder auf einem Tablet. Neue Mitarbeitende können so selbstständig nachschlagen, ohne erfahrene Kolleginnen und Kollegen bei jeder Frage unterbrechen zu müssen. Langfristig soll das Konzept auf alle Fahrzeuge der Produktionsreihen der Rettungswagen und Krankentransportwagen ausgeweitet werden.
Aufbau der Social-Media-Kanäle Instagram und Facebook
Instagram und Facebook existierten bei der Bischoff Federnwerk und Nutzfahrzeugteile GmbH zwar bereits, wurden bislang aber kaum bespielt. Der letzte Post lag weit zurück und eine strategische Nutzung fehlte. Die Azubis entwickelten ein Konzept für den systematischen Aufbau beider Kanäle: mit definierten Inhalten, einem Zeitplan und gezielter Ansprache der beteiligten Personen. Mithilfe von Canva entstanden erste Beiträge, die das Unternehmen authentisch nach außen präsentieren und Verständnis für die Themen der Nutzfahrzeug- und Federproduktion schaffen sollen. Ziel ist es, die Reichweite schrittweise zu steigern, ein positives Arbeitgeberimage aufzubauen und langfristig qualifiziertere Bewerbungen zu gewinnen. Perspektivisch sind auch gemeinsame Beiträge mit regionalen Unternehmen oder Vereinen denkbar.
Digitale Serviceaufträge für den Außendienst
Handschriftlich ausgefüllte Serviceaufträge, die zerknittert und kaum lesbar im Büro ankamen; das war bei der Elektro- und Sicherheitstechnik Fritsche & Perleberg GmbH lange der Alltag. Die fehlerhafte Schrift erschwerte Abrechnung und Aktenführung gleichermaßen. Der Auszubildende des Betriebs nahmen das zum Anlass und konzipierten eine digitale Lösung: Alle Außendienstmitarbeitenden erhalten ein Tablet mit einer App, über die Serviceaufträge direkt beim Kunden digital erfasst, unterschrieben und unmittelbar ans Büro übermittelt werden können. Medienbrüche und Übertragungsfehler gehören damit der Vergangenheit an. Die Aufträge kommen vollständig, leserlich und ohne Umwege an, was Zeit auf beiden Seiten spart und für einen reibungsloseren Ablauf vom Einsatz bis zur Abrechnung sorgt.
Digitalisierung der Büro- und Werbeartikel
Bei der HS-C. Hempelmann Schönebeck KG hatte bislang nur eine einzige Mitarbeiterin den Überblick über den Bestand an Büro- und Werbeartikeln. Sie ist allerdings nur zwei Tage pro Woche vor Ort. Für alle anderen bedeutete das: warten. Die Azubis befragten Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Abteilungen, sammelten Anforderungen und entwickelten ein digitales Bestellformular, über das Zentralverkauf, Außendienst und Buchhaltung künftig selbstständig auf die benötigten Artikel zugreifen können. Die Lösung schafft Transparenz über verfügbare Bestände, macht die Ausgabe an fünf Tagen pro Woche möglich und reduziert den Papieraufwand spürbar. Eine einzelne Abwesenheit blockiert den Zugang zu Verbrauchsmaterialien damit nicht länger.
Digitalisierung des Kleinteillagers
Die jährliche Inventur im Kleinteilelager der Industrietoranlagen A. Klauert GmbH band bislang bis zu fünf Mitarbeitende über mehrere Tage. Andere Aufgaben blieben währenddessen liegen. Die Azubis entwickelten ein Konzept, das diesen Aufwand durch den Einsatz eines Tablets deutlich reduziert. Künftig sollen QR-Codes und Barcodes der Lagerteile einfach eingescannt werden; das System erfasst den Bestand automatisch und löst bei Unterschreitung eines Mindestbestands direkt eine Nachbestellung aus. Eine zugehörige App bildet den Prozess übersichtlich ab und leitet relevante Meldungen an die zuständige Verwaltungsabteilung weiter. Das Ziel: In wenigen Wochen findet keine aufwändige manuelle Zählung mehr statt, stattdessen existiert ein schlanker, weitgehend automatisierter Lagerprozess.
Digitale Schlüsselausgabe am Empfang
Ein dicker Ordner, handschriftliche Einträge und gelegentlich verschwundene Schlüssel; so lief die Schlüsselausgabe am Empfang der SWB Städtische Wohnungsbau GmbH bislang ab. Die Azubis konzipierten ein digitales System, bei dem Chips an den Schlüsseln eine lückenlose, automatische Nachverfolgung ermöglichen. Wer wann welchen Schlüssel entliehen und zurückgegeben hat, ist jederzeit einsehbar. Eine handschriftliche Dokumentation entfällt vollständig. Im Falle von Verlust oder Missbrauch lässt sich sofort nachvollziehen, wer zuletzt Zugriff hatte. Das System ist zudem skalierbar: Neue Schlüssel oder erweiterte Anforderungen können problemlos integriert werden. Weniger Papier, mehr Sicherheit und ein deutlich effizienterer Ablauf am Empfang sind das Ergebnis.
Der digitale Posteingang
In der Volksbank Börde-Bernburg eG durchläuft eingehende Post bis heute einen langen Weg: vom Briefkasten über das Sekretariat bis in den Sortierschrank und von dort erst zu den zuständigen Beratern und Abteilungen. Das kostet Zeit, bindet Personal und verzögert im Zweifel die Bearbeitung von Kundenanliegen. Die Azubis entwickelten eine schlanke Lösung, die auf bereits vorhandener Technik aufbaut: Die Post wird wie gewohnt gesammelt, gesichtet und anschließend eingescannt. Danach wird sie elektronisch direkt an die zuständigen Personen weitergeleitet. Der Prozess bleibt vertraut, wird aber an der entscheidenden Stelle digitalisiert. Das spart Zeit und Aufwand, beschleunigt interne Abläufe und kommt letztlich auch den Kundinnen und Kunden zugute.




